Die Angst und das Märchen - Märchenspuren 01
Shownotes
Wenn über Märchen gesprochen wird, landet man früher oder später beim Thema Angst. Viele Erwachsene verbinden Märchen mit unheimlichen Erinnerungen aus der Kindheit – andere sehen gerade darin ihre Stärke. Denn Märchen erzählen von Gefühlen, die zum Leben gehören: von Verlust, Verzweiflung, Mut und Trost. Warum also dieser Widerspruch? Was passiert, wenn Märchen Angst auslösen – und was, wenn sie Angst verwandeln?
In der ersten Folge meiner neuen Reihe Märchenspuren gehe ich diesen Fragen gemeinsam mit Dr. Oliver Geister nach. Wir sprechen darüber, warum Märchen Angst machen dürfen, welche Rolle Erzähler:innen dabei spielen und wie aus Angst Zuversicht werden kann.
Diese Episode stammt aus dem Oktober 2025 und wurde im Mai 2026 hier wiederveröffentlicht.
Transkript anzeigen
00:00:03: Merchenspuren.
00:00:08: Hallo, hier ist Christian Heitz vom Podcast Märchenhör Spiele.
00:00:12: Heute mit einer ganz neuen Kategorie.
00:00:16: Die Märchensspuren ergänzen die Märchenhör Spielen.
00:00:19: Hier gibt es vor allem Hintergrundinformationen.
00:00:22: Zur Zeit dieser Aufnahme steht Halloween kurz bevor, also der perfekte Moment um über das Thema Angst zu sprechen.
00:00:30: Daher geht es hier und heute um das Thema Angst und Märchen!
00:00:35: Märchen, also vor allem Grimsmärchen werden auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema Angst in Verbindung gebracht.
00:00:42: In dieser Märchenspur gehe ich dem auf den Grund – Unterstützung habe ich durch Oliver Geister!
00:00:48: Wir sind seit der Schulzeit befreundet, Oliver ist hin und wieder als Sprecher an den Hörspielen zu hören, steuert aber vor allem auch die Märchenmusik bei.
00:00:57: Außerdem befasst er sich seit vielen Jahren mit dem thema Märchen Pädagogik.
00:01:02: Worum geht es nun genau?
00:01:04: In dieser Episode werden zwei Fragestellungen betrachtet.
00:01:07: Erstens, welchen Zusammenhang gibt es zwischen Ängsten und Märchen?
00:01:12: Und zweitens, welche Märchen beinhalten?
00:01:15: ganz direkt das Thema Angst!
00:01:18: Der Zusammenhang von Ängsten und Märchern.
00:01:24: Immer wieder höre ich Erwachsene, die Märchen wegen negativer Kindheitserfahrungen mit Ängsten verbinden.
00:01:31: Ihre Schlussfolgerung ist häufig – man sollte Kindern besser keine Märchen erzählen!
00:01:36: Doch was steckt dahinter?
00:01:37: Sind Märchen in besonderer Weise für kindliche Ängste verantwortlich?
00:01:42: Hierzu Oliver.
00:01:51: Angst gehört also dazu, aber sie hat im Märchen eine besondere Rolle und dafür gibt es einige Beispiele.
00:01:57: Also zum Beispiel ist das so dass man ungerecht behandelt wird als Märchenhelden wie bei Aschenputtel oder man wird von den Eltern fast stoßen.
00:02:06: Man hat Angst sich im Wald zu verlaufen da denkt man an Hänsel und Gretl oder ganz allgemein gesprochen man steht vor unlösbaren Aufgaben und das sind typische Märchenthemen.
00:02:17: Und darum ist das, glaube ich etwas wo man dann auch oft auf den Gedanken kommt oder kommen kann.
00:02:25: Das Märchen dadurch dass sie das thematisieren auch Ängste bei Kindern wecken und erzeugen könnten.
00:02:31: Ein Aspekt ist also das Märchen von existenzieller Not erzählen.
00:02:36: Kinder die mit fühlen darauf reagieren können also Angst empfinden.
00:02:40: Aber das ist nur ein Aspekt.
00:02:42: Weiterhin sagt man über Märchen, ein Problem seien die Schilderungen von Grausamkeiten wie zum Beispiel der Hexe, die im Ofen
00:02:50: verbrennt.".
00:02:51: Also
00:02:51: auch Grausammigkeiten werden im Märchen thematisiert weil sie natürlich auch zum Leben dazugehören und es kommt finde ich immer sehr auf den Kontext an.
00:03:05: Das Märchen ist, wenn man so will nur eine Seite des Dreiecks hinzukommen das Kind mit seinen individuellen Voraussetzungen und die Erzählsituation.
00:03:15: Durch
00:03:15: das Erzellen leistet man finde ich sehr positive Beziehungsarbeit.
00:03:20: aber gleichzeitig ist eine gute Beziehung auch ne Vorausetzung fürs erzählen.
00:03:25: das heißt die Mutter oder der Vater auch, muss das Kind auch sehr gut kennen um dann eben entsprechend feinfühlig bestimmte grausame Stellen so zu erzählen dass man damit jetzt nicht ungewollt eine Angst auslöst sondern im Gegenteil dass man mit diesen Ängsten insofern spielt.
00:03:46: Dass man sagt sowas gibt es.
00:03:47: aber die Märchen gehen ja fast immer gut aus und am Ende hat das Kind eine sehr hoffentlich wohltunde Wirkung erfahren, einmal durch die Beziehung.
00:03:59: Mama oder Papa sind ja da und das Kind im Märchen – das sind oft Kinder – hat dann diese gefahrvolle Situation mit Bravour gemeistert.
00:04:09: Außerdem hat das Grausame auch oft eben die Funktion, dass gezielt das Böse bestraft wird auch immer mal wieder empirisch festgestellt hat, dass die Kinder das gar nicht so grausam empfinden wie wir Erwachsene oft.
00:04:26: Sondern dass sie einfach im Gegenteil froh sind, dass jetzt eben das Böse besiegt wird dadurch, dass das Grausame die böse Hexe oder der Drache dann getötet und vernichtet worden ist.
00:04:39: Das Grausamkeitenvorkommen ist also unstrittig.
00:04:42: Die Frage ist vielmehr, welche Wirkung diese Grausammenheiten haben?
00:04:46: Das hängt von der Entwicklung der Kinder ab aber auch davon wie die Grausammigkeiten präsentiert werden.
00:04:52: Bruno
00:04:52: Bettelheim gibt eigentlich, finde ich in seinem Buch Kinder brauchen Märchen was er jetzt schon fünfzig Jahre alt ist.
00:04:59: ein einfachen aber auch guten Tipp.
00:05:01: wenn du Märchen erzählst vielleicht auch grausame Märchen ist das grundsätzlich kein Problem.
00:05:07: Achte aber eben auf das Kind, ob es bereit ist für den Märchenstoff.
00:05:11: Ob es das Märchen wiederhören will und wiederhöhren will?
00:05:14: Dann ist das grad ein wichtiges Märchen mit Blick auf die Entwicklungsthematik des Kindes.
00:05:20: Und wenn das Kind das Märchengar nicht hören will dann erzähle ich's auch nicht weiter.
00:05:25: Das finde ich ein einfacher aber guter Tipp.
00:05:28: Die sag mal auch für Märchen Erzählerinnen oder Eltern, die vielleicht unsicher sind.
00:05:33: also Tritt ein in den Dialog und sprich mit dem Kind darüber.
00:05:38: Dass heute Erwachsene mit Märchen in ihrer Kindheit schlechte Erfahrungen gemacht haben, dürfte also an einem Zusammenspiel unterschiedlicher Ursachen liegen!
00:05:47: Die bedrohlichen oder grausamen Aspekte der Märchen wurden vielleicht zu einem für die individuelle Entwicklung ungünstigen Zeitpunkt erzählt – und möglicherweise auch auf eine für das Kind unpassende Art.
00:06:00: Versucht mal bitte nicht nur... auf der Ebene des Wortwörtlichen zu bleiben, dass man sich das wirklich was in den Märchen erzählt wird als reale Situation vorstellt.
00:06:10: In dem Märchen selbst steckt ja schon der Gedanke, dass es ein Märchen ist also dass eben keine echte wirkliche Begebenheit ist sondern eine erfundene Geschichte.
00:06:19: und das finde ich immer ganz rätselhaft bei der heutigen Märchenkritik Weil ganz vielen überhaupt nicht berücksichtigt wird, dass das eben zutiefst symbolische Geschichten erzählen.
00:06:32: Die nicht nur Gesprächsanlässe bieten können sondern die eben auch auf symbolischer Ebene ja die Kraft finde ich haben können Entwicklungsprozesse, Entwicklungskrisen zu meistern.
00:06:45: Märchen sind also keine Bedrohung sondern ein Resonanzraum für das was Kinder ohnehin fühlen.
00:06:57: In den Märchen der Brüder Krim kommen Ängste mehr oder weniger direkt zur Sprache.
00:07:02: So haben Hänsel und Gretel natürlich Ängsten, als sie im Wald ausgesetzt werden aber auch die Müllers Tochter, die in Rumpelstilzchen in eine Kammer gesperrt wird um Stroh zu Gold zu spinnen.
00:07:13: Das Thema Ängster ist natürlich spannend und ich habe es weniger existenziell als die Brüder Grimm auch immer mal wieder aufgegriffen.
00:07:22: Da gibt es zum Beispiel den Prinzen in Die Hochzeitsnacht, der Angst hat unter dem Bett könnte eine Gefahr lauern.
00:07:29: Meinst du da ist
00:07:30: vielleicht ein Monster unter dem Brett?
00:07:32: So einen Quatsch!
00:07:33: Monster gibt das überhaupt nicht.
00:07:35: Ich hab aber Angst.
00:07:37: Auch Graf Espenlaub hat im gleichnamigen Märchen mit diversen Ängsten zu kämpfen.
00:07:42: Hilfe!
00:07:42: Ein Schatten.
00:07:44: Was war das?
00:07:44: Ein wildes Tier oder ein Gespenst?
00:07:46: Etwas anderes ist es in Geisterstunde.
00:07:49: Da gibt es eine verschlagene Hofdame, die einen Gespenster mit beauftragt dem Prinzen mehr als nur ein bisschen Angst zu machen.
00:07:57: Hinter dieser Tür befindet sich der Thron-Saal.
00:08:00: Darin liegt der Prinz und schläft!
00:08:03: Ich wünsche, dass du ihm den Schauderhaftesten nach seines Lebens bereitest... Wie ihr
00:08:08: wünscht?!
00:08:09: Der
00:08:09: Spuk hat in meiner Familie eine große Tradition.
00:08:13: Ich bin jedoch, wie ich mit einigem
00:08:16: Stolz verkünden
00:08:17: darf das Einzige
00:08:19: gespenst.
00:08:20: dass mein Hof eingesetzt wird.
00:08:22: Wer jetzt vielleicht Lust hat, noch mehr zu erfahren oder sich diese und andere Hörspiele noch einmal anzuhören findet auf www.märchenspuren.de eine Playlist mit ausgewählten Märchen und Material zum Thema Märchen & Angst www.Märchenschporen.de.
00:08:40: Märchen spuren in einem Wort und Märchen mit Ae.
00:08:44: Vielen Dank fürs Zuhören Und bis zum nächsten Mal sagt Christian Märchenspuren.
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