Verwünschungen - Märchenspuren 04

Shownotes

Märchen erzählen immer mal wieder von Verwünschungen. Da werden Menschen in Tiere verwandelt, in den Schlaf geschickt oder aus ihrer Welt verbannt. Doch warum eigentlich?

Die neue Episode von „Märchenspur“ beschäftigt sich mit Verwünschungen als märchentypischer Form des Fluchs. Dabei geht es um gestörte Ordnungen, soziale Konflikte und die Frage, warum Märchen so häufig von Wandlung und Erlösung erzählen.

Mit Beispielen aus „Der Froschkönig“, „König Drosselbart“, „Die sieben Raben“ sowie den Hörspielen „Der Buchspuk“ und „Arm wie eine Kirchenmaus“.

Vielleicht erzählen Märchen deshalb bis heute von Verwünschungen, weil Menschen sich manchmal gegenseitig verwandeln – durch Zorn, Kränkung oder verletzte Beziehungen. Und manchmal auch zurück.

Transkript anzeigen

00:00:03: Märchenspuren.

00:00:08: An Märchen scheiden sich die Geister und in der Geschichte des Märchends hat es die unterschiedlichsten Bewertungen gegeben.

00:00:14: Mal wurden sie als vermeintlich kindeswohlgefährdend abgelehnt, mal wurden Sie als Entwicklungsbeschleuniger überhört.

00:00:22: In Märchenspuren denke ich über Bilder, Symbole und Motive klassischer Märchen nach.

00:00:28: Und erzähle Hintergründe zu meinen eigenen Geschichten aus dem Podcast-Märchenhörspieler.

00:00:33: Dabei geht es nicht um endgültige Wahrheiten sondern um Spuren – Verwünschungen Fluch!

00:01:01: Und der Urheber dieses Fluchs ist Angehöriger des Volks der Elfen.

00:01:05: Kleine geflügelte Wesen tauchten auf, sie beschimpften mich wild und einer von ihnen verwandelte mich... ...und in Arm.

00:01:15: wie eine Kirchenmaus verwünscht ein Vater seine überhebliche Tochter.

00:01:19: Handscheinend

00:01:20: hat ihr das Aufwachsen mit so viel Reichtum nicht gut getan.

00:01:24: damit du mal das notwendige Maß an Bescheidenheit lernst Sollst du ab sofort

00:01:30: arm

00:01:31: wie eine Kirchenmaus leben und deinen Reimsprecher kannst Du mitnehmen.

00:01:39: Hier wird jeweils eine Märchentradition aufgegriffen, denn Märchen beschäftigen sich öfter mal mit dem Thema – aber fangen wir vorne an!

00:01:51: Verwöhnungen stellen eine Märchentypische Form des Fluchstar.

00:01:55: Verwöhnungen sind dabei eine Folge sozialer Konflikte, Fehlverhalten der unterschiedlichsten Art wird auf diese Weise bestraft.

00:02:04: Dabei soll aber die Strafe nicht zwingend endgültig sein und verwünschen kann im Märchen jede einzelne Figur.

00:02:11: es braucht nur das richtige Maß an Zorn.

00:02:14: magische Kenntnisse scheinen nicht erforderlich zu sein.

00:02:17: In vielen Fällen ist die Verwünschung Ausdruck einer gestörten Ordnung.

00:02:22: Sie erübrigt sich, sobald die Ordnung wieder hergestellt ist.

00:02:25: Dafür gibt es zwei Wege – Die Entwicklung der verwünschten Figur oder die Erlösung durch eine Dritte.

00:02:36: Märchen sind Spiegel.

00:02:38: Sie stellen in rätselhaften Bildern Dynamiken dar, die uns als Menschen durchaus vertraut sind.

00:02:43: Wer hat nicht in Gedanken schon einmal jemanden verflucht, der einen gekränkt oder sich respektlos verhalten hat?

00:02:50: Dieses Thema scheint so grundsätzlich zu sein, dass es bereits in der Eröffnung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm eine Rolle spielt.

00:02:59: Das erste Märchen der Sammlung ist der Froschkönig.

00:03:03: Dieses Märchen erzählt von einem verwünschten Königssohn infroschgestalt.

00:03:07: Die Königstochter, die ihn trifft, ist angewidert – sie erlöst den Königssonn versehentlich indem Sie ihn gegen eine Wand wirft!

00:03:16: In den Begriffen Umwandlung Und Fairwandlung ist die Wand als Wortbestandteil enthalten.

00:03:23: Warum allerdings der Königssohn in der Vorgeschichte von einer Hexe verwünscht wurde, das erzählt das Märchen nicht – doch im Froschkönig gibt es noch eine andere Spur!

00:03:35: In den alten Zeiten wo das Wünschen noch geholfen hat lebte ein König.

00:03:40: dessen Töchter waren alle schön Aber die Jüngste war so schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat sich wunderte.

00:03:50: So oft sie ihr ins Gesicht schien.

00:03:55: Das Märchen beginnt mit der berühmten Formel in den alten Zeiten wo das Wünschen noch geholfen hat.

00:04:02: Doch welcher Wunsch geht eigentlich in den Märchen?

00:04:06: Bei genauer Betrachtung scheint es eher so, dass Fair-Wünschungen in Erfüllung gehen.

00:04:11: Und zwar reichlich – da gibt es Dorne Röschen und den Zauberschlaf, dem verwünschten Königssohn in der Froschkönig die sieben Raben und weitere.

00:04:20: Dazu gibt es auch noch Verbannungen wie im König Drosselbad.

00:04:24: Da wird die Königstochter wegen ihrer Überheblichkeit aus dem Königshaus verbannt und in die Armut

00:04:30: geschickt.".

00:04:31: Und manchmal sind diese Prozesse versteckt.

00:04:34: In der Teufel mit den drei goldenen Haaren wird der Held von seinem Schwiegervater zum Teufl geschickt, jemandem zum Teuffel jagen – das ist ein Sprachbild, das dem Feld der Verwöhnungen und Verbannungen schon sehr nahe kommt!

00:04:53: Märchen stellen uns also Sinnbilder zur Verfügung, die uns manchmal emotional berühren und manchmal zum Nachdenken bringen.

00:05:01: Das eigentlich Besondere ist, dass überall auf der Welt mehrchenhafte Geschichten erzählt wurden – das zeigt es ihre Themen menschlich relevant sind!

00:05:11: In den Konflikten, die Märchen schildern, spiegeln sich Konflikte wieder, die Menschen vor hunderten von Jahren beschäftigt haben… Und uns heute beschäftigen ähnliche Konflikte.

00:05:24: Märchenspuren.

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