Die Geschichte des Märchenhörspiels - Märchenspuren 06

Shownotes

Wie klang Rotkäppchen vor fast 100 Jahren? Welche Bedeutung hatten Schellackplatten, Schallplatten und Kassetten für das Märchenhörspiel? Und warum gelten manche Produktionen bis heute als Klassiker, während andere schnell in Vergessenheit gerieten? Diese Märchenspur begibt sich auf eine akustische Zeitreise – von Liesel Simon über Hans Paetsch bis zu Otto Sander. Mit vielen historischen Hörbeispielen.

Mit Hörbeispielen aus:

  • Rotkäppchen (Liesel Simon)
  • Die Schneekönigin (zwei Radio-Versionen)
  • Rotkäppchen (Europa)
  • Die Schneekönigin (Europa)
  • Rotkäppchen (SimsalaGrimm, Europa)
  • Prinzessin Maria vom Meere (Rolf Gozell, DeutschlandRadio)

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00:00:03:

00:00:09: Hallo, mein Name ist Christian Peitz und ich begrüße euch zu einer neuen Folge Märchenspuren.

00:00:15: Heute geht es um die Geschichte des Märchenhörspiels.

00:00:22: Zur Entwicklung des Radios und des Hörspiels gibt es einige Bücher, doch weder das Kinder noch das Märchenhörspiel werden hier in den Blick genommen.

00:00:31: Es lässt sich sagen dass die Produktion Zauberei auf dem Sender aus dem Jahr fournzehnundzwanzig als erstes Original-Hörspil der deutschen Hörspielgeschichte gilt.

00:00:42: Bereits in den USA soll es eine Art Hörspiel gegeben haben, von dem aber keine Aufzeichnung mehr besteht.

00:00:51: In England wurde Anfang der Jahrzehnte ein Hörspiel gesendet.

00:00:56: Das erste Kinderhörspiel erschien in Deutschland möglicherweise bereits vor dem ersten offiziellen Hörspielen.

00:01:03: Das mag absurd klingen, hat aber einen greifbaren Hintergrund.

00:01:07: Der südwestdeutsche Rundfunk gestaltete ab hiermit eine Kindersendung mit Liesel Simon – die war zu der Zeit eine sehr bekannte Puppenspielerin und inszenierte Kasperl Theater für das Radio.

00:01:35: Dieser Ausschnitt stammt von einer Schellakplatte.

00:01:54: Die Sprechweise ist auffällig.

00:01:56: Zwar war deutliches Sprechen wichtig, da die Tonqualität noch nicht so hoch war – hier aber wirkt es etwas überartikuliert und für heutige Ohren ungewohnt.

00:02:06: Ähnlich ist das bei folgendem Ausschnitt aus «Die Schneekönigen».

00:02:10: Eine genaue Zuordnung war nicht möglich, aber es ist wahrscheinlich dass sich um eine Produktion aus den neunzehnhundert dreißiger Jahren handelt.

00:02:21: waren gebildet von dem treibenden Schnee und Fenster und Türen, von den schneidenden Winden.

00:02:29: Da waren über hundert Säle alle gestaltet wie sie der Schnee zusammengetrieben hatte.

00:02:37: Das Radio entwickelte sich weiter und das Medium-Hörspiel wurde zunehmend etabliert.

00:02:42: Die Schellagplatte wurde von Venyl, und das Grammophon mit seinem Schaltrichter von einem elektrischen Plattenspieler abgelöst.

00:02:50: Märchenhörspiele wurden gelegentlich durch die Radiosender produziert.

00:02:55: Hier hören wir nun einen Ausschnitt aus einer WDR-Produktion von die Schneekönigin, aus dem Jahr

00:03:16: nineteenhundertzehnundsechzig.

00:03:23: Gerda, die Hauptfigur aus Andersensmärchen ist in dieser Hörspielversion nicht nur im Dialogen zu hören sondern auch als Ich-Erzählerin.

00:03:32: Dies ist eines der Stilmittel die aus Romanen bekannt sind und die sich gelegentlich auch im Hörspiel finden.

00:03:43: Nach nineteenhundertzeigundsechzig veränderte sich der Tonträgermarkt.

00:03:47: Ninzehundertsechzlich stellte den niederländische Konzern Philips die Kassette als Weltneuheit vor.

00:03:54: Ab nineteenhundertfünfundsechzig wurden bespielte Kassetten verkauft.

00:03:58: Diese Entwicklung war auch für das Medium Hörspiel wichtig, dies zeigt sich unter anderem beim Label Europa.

00:04:05: Dort wurden ab Mitte der nineteenhundessächziger Jahre Märchenhörspiele produziert.

00:04:10: Als Erzähler konnte man Hans Petsch gewinnen.

00:04:13: Als nun

00:04:13: Rotkäppchen in den Wald kam Begegnete ihm der Wolf.

00:04:19: Rotkäpping wusste nicht was das für ein böses Tier war und fürchtete sich nicht vor ihm.

00:04:25: Dieses Rotkäppchen-Hörspiel erschien in den Sehundertsechsten noch auf Schallplatten.

00:04:30: Guten Tag, Rotkäpchen!

00:04:32: Schönen Dank, Wolf!

00:04:33: Wohin willst du denn so viel?

00:04:35: Zur Großmutter!

00:04:36: Was hast Du denn da in dem Korb?

00:04:38: Ruh und Wein – gestern haben wir gebacken.

00:04:41: Das Label Europa ist untrennbar mit Heike diene Kürting verbunden.

00:04:45: Eine der ersten Produktionen an denen sie beteiligt war, war in den Neunzehnten die Schneekönigin.

00:04:51: Sie schrieb die Hörspielbearbeitung.

00:04:53: Haben die Schneeflocken auch eine Schneekönigin?

00:04:56: So wie die Binnen eine Bienenkönigen haben?

00:04:58: Selbstverständlichkeit, die haben sie!

00:05:01: Europa setzte ab neunzehntneunzechzig auf Kassetten unter anderem mit der neuen Reihe Hoibu Ab.

00:05:09: hier wurden dann die Aufnahmen der Märchenhörspiele ergänzend zu den Schallplatten auch auf Kassette veröffentlicht.

00:05:17: Diese heute als zeitlos geltenden Märcheninszenierungen wurden viele Male neu aufgelegt, besonders bedeutsam war die Reihe «Die Märchenbox», die ab twohundertzehnundachtzig erhältlich war.

00:05:28: Rotkäppchen war vertreten – die Schneekönigin allerdings nicht!

00:05:32: Was vermutlich daran liegt?

00:05:33: das hier?

00:05:34: Joachim Raake und Nicht Hans Petsch, der Erzähler?

00:05:37: Der kleine Kai schleppte nun scharfe, flache Eisstücke in dem riesigen Saal hin und her.

00:05:42: Er legte die aller kunstvollsten Figuren.

00:05:45: Auch andere Labels veröffentlichten Märchenhörspiele – der Markt hatte hier einiges zu bieten!

00:05:50: Aber die Märchenreihe von Europa blieb doch einzigartig was wohl vor allem an Hans Petsch und den anderen Stimmen lag... Europa setzte nicht mehr auf seine klassischen Märchenhörspiele, sondern auf Simsalagrim.

00:06:12: Diese Zeichentrikathons orientierten sich nur noch grob an den bekannten Märchen.

00:06:17: Verbindende Figuren sind Jojo und Doc Crock – zwei Tiere die alle Märchen besuchen und zeugen der Geschichte werden.

00:06:30: Europa veröffentlichte also Simsalagrim als neue Märchenhörspiele.

00:06:35: Dahinter verbergen sich die Tonspuren der Fernsehserie ergänzt um einen Erzähler, Rotkäppchen erscheint als Teil der zweiten Staffel im Jahr zweitausend.

00:06:50: Ein Marquis?

00:07:00: Du liebes bisschen, ich hab noch nie einen echten Marquis

00:07:03: gesehen!

00:07:04: Um es vorsichtig zu formulieren, weder das Hörspiel als Formen noch das Märchen als Gattung sind hier weiterentwickelt worden.

00:07:11: Man kann den Eindruck gewinnen dass bei den Simsalagrim-Toneträgern vor allem die erfolgreiche Vermarktungen der Fernsehserie im Vordergrund stand.

00:07:20: Ein künstlerischer Anspruch jedenfalls dringt sich nicht unmittelbar auf.

00:07:24: Zu gleichen Zeit gab's aber im Bereich der Märchenhörspiele auch ein Höhepunkt.

00:07:29: Das Deutschlandradio Berlin arbeitete einige Jahre mit dem Autor Rolf Gozell zusammen.

00:07:35: In der Zeit wurde es, Prinzessin Maria vom Meer produziert und gesendet.

00:07:41: Otto Sander ist als Erzähler und Boris Aljinovich als Prinz Ivan zu hören.

00:07:46: Den Prinzen plackten Sehnsucht ungeduld und blanke Langeweile.

00:07:50: Verdrossen fand er sich immer wieder unversehens vor dieser Kammertür bis das er sagte...

00:07:55: Ach was!

00:07:57: Neugierig bin ich

00:07:58: nicht.

00:07:58: Es ist

00:07:58: Wissensdurst!

00:08:00: Ich will

00:08:01: es wissen, was dahinter

00:08:02: ist.

00:08:03: Wird man so schlimm nicht sein?

00:08:05: Das Hörspiel wurde im Jahr zweitausend mit dem deutschen Kinderhörspiehpreis ausgezeichnet.

00:08:11: Im neuen Jahrtausend wurde es ruhig um das Thema Märchenhörspiele.

00:08:14: Viele alte Produktionen sind zunächst auf CD und dann in den Streamingportalen erschienen, auch Neuproduktionen erschien bei einigen Labels.

00:08:23: die Märchenhörspieler aus den neunzehnhundertsechziger-und-onzehnhundertsiebzigerjahren allerdings entfalten heute noch einen besonderen Zauber.

00:08:32: Da waren der Jäger die Großmutter und Rotkäppchen sehr vergnügt!

00:08:38: Untertitel im Auftrag

00:08:40: des ZDF.

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